Autor: wrowa
Ist es dem japanischen Videospielriesen etwa peinlich? Fühlt sich Nintendo-Präsident Satoru Iwata in seinem Stolz verletzt? Kann er beim täglichen Blick in den Spiegel etwa nur eine unbeschreibliche Abscheu gegen seiner selbst verspüren? Ist sein Seelenwohl zu sehr ins Negative gerutscht, nachdem die von ihm geführte Firma weltweit den Preis der Wii-Konsole – vor wenigen Monaten noch als DAS heißeste Eisen des Videospielmarkts betrachtet, das selbst einer Rezension mit Leichtigkeit trotzt – senken musste? Immerhin konnte sich die Wii in der westlichen Welt nur noch knapp besser verkaufen als die Konkurrenz und nicht mehr monatlich doppelt und dreifach soviele Konsolen absetzten als die Microsofts und Sonys dieser Welt. Im Heimatland Japan ist die Wii sogar in einer schwerwiegenden Krise gerutscht, die so schnell nicht überwunden sein wird. Denn selbst, wenn die Konkurrenz noch weniger verkauft, sind Verkäufe im 10k-20k-Segment für einen “Marktführer” sicherlich nicht tolerierbar.
Die Notbremse wurde also gezogen, der Preis (in der EU, mit Ausnahme von UK) von 250 Euro auf 200 Flocken gesenkt.
Und jetzt? Nichts. Nintendo macht einen hervorragenden Job, wenn es darum geht, den potentiellen Kunden den neuen Preis zu verschweigen. Eine große Ankündigung der Preissenkung mit viel Tramtram? Pustekuchen. Stattdessen eine unscheinbare PM. Eine Werbeoffensive, die den neuen Preis in das Hirn der Bevölkerung einzubrennen vermag? Nix da, Nintendo lässt sich den neuen Preis nicht anmerken! Stattdessen wirbt man lieber weiterhin für Wii Sports Resort – natürlich ohne etwa den neuen Preis der Konsole anzupreisen – und seit neuestem auch das neue WiiFit Plus – selbstverständlich ist von der Preisreduktion der Wii auch hier nichts zu bemerken.Was soll das? Wann wird Nintendo den Preis der Konsole auch seinen Kunden näherbringen? Spätestens mit WiiFit Plus ist der Moment gekommen, an dem man die Werbetrommeln ordentlich schlagen sollte. Wie lange will man noch warten? Bis zur Veröffentlichung von New Super Mario Bros? Weshalb setzte man die Preissenkung überhaupt bereits so früh durch, wenn man kein Interesse daran zeigt, den neuen Preis auch zu vermarkten? Eine Pressenkung alleine löst keine Probleme.
Eine Preissenkung alleine löst keine Probleme?
In diesem Satz, zeigt sich ein viel fundamentaleres Problem der Wii-Preissenkung: Fehlendes Marketing hin oder her, kann ein geringerer Preis die Konsole tatsächlich zu einem zweiten Frühling verhelfen? Damit ein solcher Akt tatsächlich die Lösung eines Problems sein kann, ist es notwendig, dass der Preis überhaupt ein Problem war. Doch war der Preis von Nintendos jüngster Konsole jemals ein Problem? Schwindet das Interesse an der Konsole aufgrund zu hoher Kosten? Die recht simple Antwort: nein. Verglichen Wii mit der 360 oder der PS3 war Nintendos Plattform immer recht erwschwinglich. Kaum jemand, wird vom Zuschlagen abgesehen haben, da ihm die Konsole 50 Euro zu teuer war. Die aktuellen Verkaufszahlen aus dem fernen Osten bestätigen diese Aussage: unmittelbar nach der Preissenkung konnte die Wii ihre wöchentlichen Verkäufe von zuvor etwa 15k auf 32k steigern. Das ist nicht mehr als ein laues Lüftchen. Das Problem steckt tiefer.
Beispiel gefällig? Nintendo verpasst es, das Wii-Line Up um sinnvolle Titel zu erweitern, die Käuferschichten abseits der bereits abgegrasten Audienz ansprechen. WiiFit Plus wird sich hervorragend verkaufen, doch die Fitness-Suchtis haben bereits eine Wii in ihrem Heim stehen. Das neue Wii Sports verkauft sich bereits hervorragend, doch eine Steigerung der Hardwareverkäufe hält sich auch hier in Grenzen. Kein Wunder, schließlich haben die Interessenten dieses Spiels bereits beim Vorgänger zugeschlagen. Womit will Nintendo der Wii also einen frischen Wind verleihen? Bleibt am Ende wirklich alles an New Super Mario Bros. Wii hängen? Muss nun – überspitzt ausgedrückt – ein verkapptes DS-Spiel der Wii neues Leben einhauchen? Die Wii-Ausgabe mag ja ein ambitioniertes Projekt sein und mit dem neuen Mehrspielermodus einen echten Mehrwert bieten. Doch reicht das um neue Käuferschichten die Konsole schmackhaft zu machen? Lässt sich der sensationelle Erfolg der DS-Ausgabe einfach so auf die Wii übertragen? Werden 2D-Jump’n Runs auf einer Heimkonsole überhaupt noch gewollt? Und besitzen Mario-Fans nicht sowieso schon lange eine Wii?
Satoru Iwata selbst war es, der einmal feststellte, dass eine Preisreduzierung lediglich einen temporären Anstieg ermöglicht, dass die pure Sekung des Preises nicht ausreicht, um die Probleme einer schwächelnden Konsole zu lösen. Doch trotz dieser wahren Aussage, scheint der erste Pricecut der Wii ein halbherziger Schritt darzustellen, der am Ende nicht viel mehr zu sein scheint, als eine simple Preissenkung ohne tiefere Strategie.
Ein Zeichen der Verzweiflung?










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